Zuchtwertschätzung

Ziel jedes Verfahrens einer Zuchtwertfeststellung ist es, die mittlere genotypische Abweichung der Nachkommen eines Tieres (bei uns: eines Bockes) von einer bestimmten Vergleichsgruppe festzustellen. Die Basis hierzu wird durch die Leistungsfeststellung (z.B. die Stationsprüfung) gelegt. Die erhaltenen absoluten Ergebnisse müssen in der Folge verarbeitet werden, da die ermittelten Werte immer das Ergebnis des Zusammenspiels zwischen Genotyp und Umwelt sind. Ziel ist es, die unterschiedlichen Umwelteinflüsse (Fütterung, Haltung, Klima usw.) möglichst vollständig auszuschalten, um die genetisch bedingte Leistungsfähigkeit feststellen zu können.

Die rasante Entwicklung der Rechentechnik hat es ermöglicht, ein kompliziertes mathematisches Modell zu entwickeln und mit dessen Hilfe eine Reihe von Problemen der Zuchtwertermittlung zu lösen. 

Dieses BLUP (beste lineare unverzerrte Vorhersage) - Verfahren bringt eine Reihe Vorteile:

  1. Alle vorliegenden verwandtschaftlichen Informationen werden  herangezogen.
  2. Die genetische Entwicklung der Population wird berücksichtigt; d.h. die Zuchtwerte zurückliegender Populationen werden angepasst. Damit sind alle Zuchtwerte direkt vergleichbar.
  3. Störende Umwelteffekte werden besser ausgeschaltet.

In der Konsequenz wird Zuchtfortschritt durch die höhere Aussagesicherheit der Zuchtwerte und die bessere Umweltkorrektur gesichert. Dabei ändert sich die Form des ausgewiesenen Zuchtwertes nicht, nur seine Genauigkeit wird erhöht. Die prinzipiellen Voraussetzungen entsprechen den bundesweit festgelegten.

Seit 2014 ist der Verband für die Durchführung und Auswertung der Leistungsprüfung zuständig. Die Zuchtwertschätzung mittels BLUP - Verfahren übernahm in der Übergangszeit noch dankender Weise die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft. Die aktuellen Ergebnisse finden sich unter Prüfbericht 2015 (pdf)

Ansprechpartner für die Leistungsprüfung

Christoph-Johannes Ingelmann
Landesverband Thüringer Schafzüchter e.V.
Stotternheimer Straße 19
99087 Erfurt

Ansprechpartner für die Zuchtwertschätzung

Dr. Heike Lenz
Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft
August-Bebel-Straße 2
36433 Bad Salzungen

Leistungsprüfung,Zuchtwertschätzung und Herdbuchführung - alle Information finden Sie auch in der aktuellen Zuchtbuchordnung

Zuchtbuchordnung (pdf)

Leistungsprüfung auf Station

Prüfmethodik

Nachkommenschafts- / Halbgeschwisterprüfung von Bocklämmern

Prüfbeginn und Prüfende sind masseabhängig in einem Bereich von 20-40 kg. Die Prüftiere werden in Gruppen von 8-10 Tieren auf Tiefstreu gehalten. Als Futter werden standardisiertes Fertig-Pelletfutter, Mineralstoffmischung und Heu eingesetzt. Eine Transponderkennung ermöglicht die Fütterung über Automaten.
Im Verlaufe der Prüfung werden typische Mastleistungsmerkmale erhoben:
Bemuskelung von Keule, Blatt und Rücken
Oberflächenverfettung
Nierenfettmenge
Rückenlänge
Kotelettmuskeldicke (Ultraschall)
Kotelettmuskelfläche (Ultraschall)
Futteraufnahme
Futteraufwand
Neben den genannten Merkmalen erfolgt auch eine Bewertung der Exterieurmerkmale sowie der Landschaftspflegeeignung der Rassen (bspw. Erscheinungsbild in Form von Skelettgesundheit, Rassetyp, Wollqualität, etc.).

Eigenleistungsprüfung von Jungböcken

Prüfbeginn und Prüfende sind zeitabhängig im Alter von 4-7 Monaten bis mindestens 12 Monaten. Den Abschluss der Prüfung stellt die Körung der Prüftiere dar. Die Haltung der Tiere erfolgt in variablen Gruppen bis maximal 150 Tieren / Gruppe in Tiefstreubuchten. Abhängig vom Leistungsbedarf der Tiergruppen erfolgt eine Fütterung mittels entsprechender Totalmischration und Mineralstoffmischung. Allen Gruppen steht Heu zur Verfügung.
Während der Prüfung werden unter anderem, folgende Merkmale der Tiere erfasst:
Ansatzleistung (Prüftagszunahme)
Wollqualität
äußere Erscheinung
Eignung zur Landschaftspflege
Zuchttauglichkeit

Feldleistungsprüfung

Die täglichen Zunahmen, die bei männlichen und weiblichen Lämmern erfasst werden, unterscheiden das
- 42- Tagegewicht (Wiegeperiode im Zeitraum 28. - 42. Lebenstag)
- 100- Tagegewicht (Wiegeperiode im Zeitraum 80. - 120. Lebenstag)
150- Tagegewicht (Wiegeperiode im Zeitraum 120.-210. Lebenstag).
Sie können auch durch den Tierhalter/Tierbesitzer erfasst werden. Die Meldefristen sind einzuhalten. Werden keine Geburtsgewichte erfasst, kommen durchschnittliche Geburtsgewichte entsprechend der Festlegung im OviCap zur Anwendung. Die Bemuskelung wird durch Bewertung von Keule, Rücken und Schulter nach einem Notensystem ermittelt. Als erweiterte Prüfung kann die Ultraschallmessung auf Muskel- und Fettdicke erfolgen. Die Ultraschallmessung auf Muskel- und Fettdicke mit Feststellung der Bemuskelungsnote werden durch Mitarbeiter oder Beauftragte der Zuchtorganisation zwischen dem 80. und 210. Tag durchgeführt.

Folgende sonstige Leistungen werden den Mitgliedern angeboten:
  • Ertrags- und Qualitätskontrollen an Mastlämmern
  • Aufbereitung der Prüfergebnisse vor Ort und zur Veröffentlichung
  • Beratung über die Wirtschaftlichkeit der Schaffleischerzeugung
  • Identitätskontrollen und Gewichtsfeststellungen an wachsenden Zuchtschafen im Auftrage des Landesverbandes Thüringer Schafzüchter
  • Mithilfe bei der marktgerechten Aufbereitung des Schlachtlämmerangebotes
  • Durchführung von Tiertransporten
  • Beratung zu aktuellen Fragen der Züchtung, Fütterung und Haltung von Schafen zur Fleischerzeugung

Ansprechpartner: 

Christoph-Johannes Ingelmann, Stotternheimer Staße 19,99087 Erfurt, Tel. 0361/7498070