Peter Kieser
Nachruf auf Schäfermeister Peter Kieser

Ein Leben im Dienste der Schafzucht

Am 25. April verstarb plötzlich unser langjähriges Vorstandsmitglied Schäfermeister Peter Kieser im 66sten Lebensjahr. Peter Kieser wurde am 01.07.1950 als ältester Sohn einer Schäferfamilie in Eisfeld geboren. Urkundlich nachgewiesen ist, dass sich seine Vorfahren seit dem Jahre 1620 ununterbrochen mit der Schafhaltung befasst haben. Nach erfolgreichem Abschluss der 10. Klasse in Eisfeld absolvierte er eine Schäferlehre bei Schäfermeister Walter Fricke im VEG Ostramondra, einem Herdbuchzuchtbetrieb mit Merinolandschafen. Danach begann sein Berufsleben in der „ZGE Schafhaltung“ Eisfeld, in der auch sein Vater Horst Kieser tätig war. Horst Kieser war der Begründer der Merinolandschaf-Herdbuchzucht in Eisfeld und brachte diese in die LPG Typ 1 mit ein. Nach Absolvierung seines Grundwehrdienstes nahm Peter an dem Weiterbildungslehrgang zur Erlangung des Meisterbriefes in der Schäferschule in Wettin teil. Diesen schloss er 1972 erfolgreich ab. Die Abt. Schafzucht der KAP Heßberg beteiligte sich seit Anfang der 1970er Jahre an der Herauszüchtung der Rasse Merinolangwollschaf mit den Herdbuchtieren des Landwirtschaftsbetriebes. Schäfermeister Peter Kieser hatte zwischenzeitlich die Besamungstechnikerberechtigung für Schafe abgeschlossen und setzte die künstliche Besamung jährlich erfolgreich in der Zuchtarbeit ein. Als zuverlässiger Mitarbeiter, der immer für Neuerungen in der Schafhaltung aufgeschlossen war, wurde ihm auch die Verantwortung für die Lehrlingsausbildung übertragen. Zahlreiche Lehrlinge aus Thüringen und angrenzenden Bundesländern absolvierten unter seiner Anleitung erfolgreich ihren Berufsabschluss. Für sein erfolgreiches züchterisches Engagement bei der Herauszüchtung des Merinolangwollschafes wurde er Mitte der 1980er Jahre als „Verdienter Züchter“ ausgezeichnet. In dieser Zeit bereitete er fast jährlich vorbildlich und erfolgreich die Ausstellungsschafe des Betriebes für die zahlreichen Zuchtwettbewerbe auf Bezirks- und Landesebene vor. 1990 wurde Schäfermeister Peter Kieser in den Vorstand der neu gegründeten Agrargenossenschaft Sachsenbrunn gewählt und als Leiter der Abteilung Schafzucht eingesetzt. Um die Schafhaltung am Standort Eisfeld auch künftig auf sichere Füße zu stellen, entschloss er sich gemeinsam mit seinen beiden Brüdern, den Schäfermeistern Thomas und Ewald, 1992 die GbR Kieser zu gründen. Als Gründungsmitglied des Landesverbandes Thüringer Schafzüchter e. V. wurde er 1990 in den Vorstand gewählt. Ihm wurde gleichzeitig der Vorsitz der Erzeugergemeinschaft „Qualitätswolle“ w. V. übertragen. Zudem war er über viele Jahre Kreisschäfermeister In der Prüfungskommission für Schäferlehrlinge setzte er sich ständig für eine effektive, bestmögliche Berufsausbildung in Thüringen ein. Ehrenamtlich engagierte er sich weiter in den Vorständen der VR Bank Südthüringen und des Kreisbauernverbandes Hildburghausen und war Vorsitzender des Maschinen- und Betriebshilferinges des Landkreises. Über die Schäferei hinaus engagierte er sich als stellvertretender Vorsitzender des Vogelzuchtvereins Eisfeld.

Peter Kiesers Bestreben war es, die Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung im Betrieb ständig zu erhöhen. Unter seiner Leitung wurden seit 1995 drei neue Schafställe und ein großes Durchfahrtsilo mit einem hohen Anteil an betrieblicher Eigenleistung neu errichtet. Dadurch wurden die betrieblichen Voraussetzungen für eine optimale Unterbringung und Futterversorgung des angewachenen Mutterschafbestandes in den Wintermonaten geschaffen. Seiner vordringlichen Initiative ist die Entwicklung einer effektiven Selbstvermarktung von Schlachtlämmern ab Hof zu verdanken. In den letzten Jahren entwickelte sich die GbR Kieser zu einem der größten Herdbuchzuchtbetriebe der Bundesrepublik. Mit über 2.000 Herdbuchmutterschafen der Rassen Merinolangwollschaf, Merinolandschaf, Rhönschaf, Coburger Fuchsschaf, Weißes Bergschaf und Karakulschaf im Betrieb wird ein nicht unwesentlicher Teil zur Erhaltung alter vom Aussterben bedrohter Schafrassen geleistet.

Mit Schäfermeister Peter Kieser haben wir einen Schäfer, der seinen Beruf als Berufung empfunden hat, einen erfolgreichen Schafzüchter, geschätzten Lehrmeister und unermüdlich tätiges Verbandsmitglied verloren Am 05.05.2017 nahmen wir mit den Familienmitgliedern, sowie zahlreichen Freunden, Bekannten und Berufskollegen in der Dreifaltigkeitskirche St. Nikolai in Eisfeld Abschied von Peter Kieser.

Unser Mitgefühl gilt seiner Lebensgefährtin, seinen drei Kindern und sechs Enkelkindern sowie den Familienangehörigen. Mit ihnen trauern die Thüringer Schafhalter und -züchter, seine Weggefährten im Landesverband Thüringer Schafzüchter e. V. und alle, die sich mit ihm verbunden fühlten. Sein Leben hat Spuren hinterlassen. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Der Vorstand und Beirat, sowie die Mitglieder des Landesverbandes Thüringer Schafzüchter e. V.